GEGRÜNDET 1972
KULTURPROGRAMM & MEHR

Das aktuelle Heft als PDF zum Lesen & Downloaden:

Triple Threat

Wahrlich alles andere als ein kirchliches Krippenspiel erwartet uns, wenn die britische Künstlerin Lucy McCormick das Neue Testament von der Geburt Jesu bis zu dessen Tod re-enacted. Das verrät einem schon die Altersempfehlung „ab 18!“. Laut dem britischen „Guardian“ sind McCormicks Shows eine Mischung aus Riot und Sex, laut und hässlich zugleich. Da werden sämtliche Konventionen über Bord gekippt, die Bibel queerfeministisch gekapert. McCormick hört erst auf, wenn sie „zu weit gegangen ist“. Oha. Puh! Triple Threat ist provokant schräges Trash-Cabaret mit Frau McCormick in allen Hauptrollen, Tanz, Gesang und Performance sind ihre Heilige Dreifaltigkeit. „Das Leben des Brian“ ist dagegen Kinderprogramm!

Fr. 19.4. + Sa. 20.4., Pumpenhaus, 20.00 Uhr

Moving Targets

Back from the grave! Na, wem sagen Namen wie Angry Samoans, Bad Brains, Bullet Lavolta oder Minutemen noch etwas? Hm? Lemonheads, Dinosaur Jr, Hüsker Dü oder The Replacements? Ja, das waren noch Zeiten, raunen die Hardcore-Postpunk-Veteranen unter uns und kramen ihre alten Vinyls der Label „SST“, „Homestead“ oder „Taang!“ aus der Plattenkiste. Nicht zu vergessen: Der stilbildende Sampler „This is Boston, not L.A.!“. Und aus genau diesem Bostoner Punk-Untergrund der frühen 80er kamen auch die Moving Targets und schrubbten hektische, immer leicht melancholische Songs mit tollen Breaks und catchy Melodien runter. Ja, der Sound dieser Bands war so etwas wie eine Blaupause für Nirvana. An deren Erfolg kamen die Moving Targets nie auch nur annähernd heran, aber trotz einiger Pausen und Umbesetzungen gibt es sie immer noch und ihre rasant runtergebretterten Clubshows geniessen Kultstatus. Auf Tour haben sie ihr 2023er Album „In the Dust“ im Gepäck, aber gut abgehangene Bandhymnen wie „Dead Wrong“, „Less Than Gravity“ oder „The Other Side“ stehen natürlich auch auf der Setlist, versprochen!

Sa. 20.4., Gleis 22, 20.00 Uhr

Unser absurder Alltag, sorgsam notiert von Lo Blickensdorf

Mon Dieu, Herr Graf!

Er illustrierte und layoutete Münsters legendäres Stadtmagazin City in den 70ern und frühen 80ern, gestaltete Plattencover für krautige Münsterbands, hing ab mit Steffi Stephan, Roxie Heart und Götz Alsmann, gestaltete schräge Werbung für Jovel, Kling Klang, Kalkmarkt. Und erhob das Ringel-T-Shirt zum Fetisch.

Nach seinem Umzug nach Berlin wollte Lo nicht länger „arm, aber sexy” sein und wechselte mit einem dreisten Trick in die mondäne Welt der Lebemänner, Flaneure und Vernissagensnobs. Er adelte sich von eigenen Gnaden zum Grafen Lo von Blickensdorf, druckte für sein letztes Kleingeld hochwohlgeborene Visitenkarten - und kam tatsächlich damit durch. Und schrieb das erfolgreiche, süffisant satirische Buch Werden Sie doch einfach Graf! über seine Erlebnisse in der dubiosen Halbwelt tortenfressender Blaublütler und neureicher Schwadroneure. Schnorren mit Niveau...

Weniger fake, mehr hintersinnig und wortwitzig sind Los Cartoons. Schon zu City-Zeiten krakelte er das halbe Heft voll mit Mini-Cartoons und fiesem Blödsinn. Überall da, wo Platz war, neben Textspalten, in Layout-Lücken und dann seiner eigenen Satire-Kolumne Ulk. Heute füllt Lo das halbe Internet ab mit hunderten seiner kleinen lakonischen Cartoons, inspiriert von den Absurditäten und Peinlichkeiten unseres Alltags. Die besten Gags hat er jetzt in dem Büchlein Cartoons... zum Wegschmeißen! (Eulenspiegel Verlag 2023, 80 Seiten, 12 Euro) versammelt. Man kann ja auch nach Weihnachten Bücher verschenken...
-rl

So ein Schietwetter...

Da es draussen seit Tagen, ach was: Wochen vor sich hin pieselt, nieselt und nebelt, hier mal ein sonniges Foto von den Aaseewiesen, Frühling 1974.
Und genau: Die Mädels und Jungs chillen genau da, wo ab 1977 die Aaseekugeln der ersten Skulptur-Ausstellung ihr Plätzchen fanden. Alle Versuche, u.a. nach einer der legendären Mensa-Parties, sie in den Aasee zu rollen, scheiterten bekanntlich...
Das Foto gehört zur Ausstellung Münster vor 50 Jahren im Stadtmuseum.
Ach übrigens: Unter Münster-Zeitreise finden sich hier noch jede Menge Stories & Fotos aus Münsters Szene der 70er und 80er.

Der Münsteraner Markus Gebauer fotografiert vom Tschernobyl-Rummelplatz bis zur verfluchten Villa in Portugal verwunschene Orte. Drei vollfarbige Fotobände Timeless sind bereits von Markus Gebauer erschienen, der auch als DJ MGness (Favela, Fusion, Docklands Festival, Monopark undundund) wohlbekannt ist.

Das mit Abstand abgefahrenste Thema des Science-Slam Münster hatte Historiker Sebastian Huncke auf Lager: Die Geschichte des Kokovorismus - oder wie Uropa die erste Hippie-WG erfand. Er untersuchte in seiner Examensarbeit die Kokosnuss-Religion des Aussteigers August Engelhardt von 1902 (!) - inkl. FKK und freier Liebe.

In die Fresse
Werkschau in XXL: Frank Hoppmanns böse Portraits

Immer bis an die Schmerzgrenze: Der Zeichner, Karikaturist und Illustrator Frank Hoppmann aus Münster ist geliebt und gefürchtet zugleich für seine boshaften, grotesk deformierten und doch das Innerste enthüllenden Portraits. Popstars, Politiker, Sportler, Philosophen, Insekten und selbst den Tod strichelt er morbide, verstörend, schwarzhumorig für Rolling Stone, Welt oder Eulenspiegel. Ein bigotter, schmierig-eitler Honk: Sein Donald-Trump-Portrait für die L.A. Times machte ihn international berühmt. Und wir wundern uns auch nicht, dass Hoppmann für seine Diplomarbeit 2002 das Thema Spirituosenliebhaberei hat viele Gesichter wählte - eine satirische Portraitserie über Volltrunkene.
Nun hat Frank Hoppmann seine besten Cartoons und Zeichnungen im fetten, großformatigen Prachtband Hoppmann (Göttinger Verlag der Kunst, 272 Seiten, 52 Euro) versammelt. Grandios!
-rl
Und über Ultimos Atelierbesuch beim Meister erfahrt ihr alles hier...

Das Haus Frauenstraße 24 hat eine besondere Geschichte. Erbaut wurde es 1905, und 1943 blieb es wie durch ein Wunder von den Bomben verschont. Doch seine spezielle Story begann 1973 - vor 50 Jahren. Damals wurde das Haus mit der schönen Jugendstilfassade durch Besetzung vor dem Abriss gerettet. Die ganze Geschichte erzählen wir hier...

Von keusch bis fast pornografisch: Die imposante Großausstellung im Museum am Domplatz ist bereits die dritte Kooperation mit der Tate-Gallery London und bietet eine vielschichtige und vielfältige Auswahl an Exponaten aus dem späten 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die Bildergalerie zeigt die offiziellen Presse-Motive zu Nudes, unsere ausführliche Besprechung der Ausstellung findet ihr in Ultimo 25/2023.

Neben den klassischen Themenpodcasts gibt es mittlerweile unzählige politische Podcasts, Sportcasts und sogar Porncasts... Wer hat eigentlich die Zeit, sich das alles anzuhören? Natürlich mischen auch Hosts aus Münster kräftig mit. Wir stellen mal ein paar vor!

Mafia - bei dem Wort denkt man an die üblichen Klischees aus Hollywood. Daran, dass die Mafia längst bei uns heimisch ist, wird man nur durch Paukenschläge erinnert, wie die Verhaftung des vermutlichen 'Ndrangheta-Oberpaten Francesco A. in Münster. Die Ermittlungen führten zu über 123 Beschuldigten, 41 Verhaftungen sowie der Enttarnung des Mafia-Geheimrates „Crimine di Germania“ in Münster.

Terminhinweis, Kleinanzeige oder Leserbrief fürs nächste Ultimo? Bitteschön: