GEGRÜNDET 1972
KULTURPROGRAMM & MEHR

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Unser absurder Alltag, sorgsam notiert von Lo Blickensdorf

Mon Dieu, Herr Graf!

Er illustrierte und layoutete Münsters legendäres Stadtmagazin City in den 70ern und frühen 80ern, gestaltete Plattencover für krautige Münsterbands, hing ab mit Steffi Stephan, Roxie Heart und Götz Alsmann, gestaltete schräge Werbung für Jovel, Kling Klang, Kalkmarkt. Und erhob das Ringel-T-Shirt zum Fetisch.

Nach seinem Umzug nach Berlin wollte Lo nicht länger „arm, aber sexy” sein und wechselte mit einem dreisten Trick in die mondäne Welt der Lebemänner, Flaneure und Vernissagensnobs. Er adelte sich von eigenen Gnaden zum Grafen Lo von Blickensdorf, druckte für sein letztes Kleingeld hochwohlgeborene Visitenkarten - und kam tatsächlich damit durch. Und schrieb das erfolgreiche, süffisant satirische Buch Werden Sie doch einfach Graf! über seine Erlebnisse in der dubiosen Halbwelt tortenfressender Blaublütler und neureicher Schwadroneure. Schnorren mit Niveau...

Weniger fake, mehr hintersinnig und wortwitzig sind Los Cartoons. Schon zu City-Zeiten krakelte er das halbe Heft voll mit Mini-Cartoons und fiesem Blödsinn. Überall da, wo Platz war, neben Textspalten, in Layout-Lücken und dann seiner eigenen Satire-Kolumne Ulk. Heute füllt Lo das halbe Internet ab mit hunderten seiner kleinen lakonischen Cartoons, inspiriert von den Absurditäten und Peinlichkeiten unseres Alltags. Die besten Gags hat er jetzt in dem Büchlein Cartoons... zum Wegschmeißen! (Eulenspiegel Verlag 2023, 80 Seiten, 12 Euro) versammelt. Man kann ja auch nach Weihnachten Bücher verschenken...
-rl

So ein Schietwetter...

Da es draussen seit Tagen, ach was: Wochen vor sich hin pieselt, nieselt und nebelt, hier mal ein sonniges Foto von den Aaseewiesen, Frühling 1974.
Und genau: Die Mädels und Jungs chillen genau da, wo ab 1977 die Aaseekugeln der ersten Skulptur-Ausstellung ihr Plätzchen fanden. Alle Versuche, u.a. nach einer der legendären Mensa-Parties, sie in den Aasee zu rollen, scheiterten bekanntlich...
Das Foto gehört zur Ausstellung Münster vor 50 Jahren im Stadtmuseum.
Ach übrigens: Unter Münster-Zeitreise finden sich hier noch jede Menge Stories & Fotos aus Münsters Szene der 70er und 80er.

Von keusch bis fast pornografisch: Die imposante Großausstellung im Museum am Domplatz ist bereits die dritte Kooperation mit der Tate-Gallery London und bietet eine vielschichtige und vielfältige Auswahl an Exponaten aus dem späten 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die Bildergalerie zeigt die offiziellen Presse-Motive zu Nudes, unsere ausführliche Besprechung der Ausstellung findet ihr in Ultimo 25/2023.

Der Münsteraner Markus Gebauer fotografiert vom Tschernobyl-Rummelplatz bis zur verfluchten Villa in Portugal verwunschene Orte. Drei vollfarbige Fotobände Timeless sind bereits von Markus Gebauer erschienen, der auch als DJ MGness (Favela, Fusion, Docklands Festival, Monopark undundund) wohlbekannt ist.

In die Fresse
Werkschau in XXL: Frank Hoppmanns böse Portraits

Immer bis an die Schmerzgrenze: Der Zeichner, Karikaturist und Illustrator Frank Hoppmann aus Münster ist geliebt und gefürchtet zugleich für seine boshaften, grotesk deformierten und doch das Innerste enthüllenden Portraits. Popstars, Politiker, Sportler, Philosophen, Insekten und selbst den Tod strichelt er morbide, verstörend, schwarzhumorig für Rolling Stone, Welt oder Eulenspiegel. Ein bigotter, schmierig-eitler Honk: Sein Donald-Trump-Portrait für die L.A. Times machte ihn international berühmt. Und wir wundern uns auch nicht, dass Hoppmann für seine Diplomarbeit 2002 das Thema Spirituosenliebhaberei hat viele Gesichter wählte - eine satirische Portraitserie über Volltrunkene.
Nun hat Frank Hoppmann seine besten Cartoons und Zeichnungen im fetten, großformatigen Prachtband Hoppmann (Göttinger Verlag der Kunst, 272 Seiten, 52 Euro) versammelt. Grandios!
-rl
Und über Ultimos Atelierbesuch beim Meister erfahrt ihr alles hier...

Neben den klassischen Themenpodcasts gibt es mittlerweile unzählige politische Podcasts, Sportcasts und sogar Porncasts... Wer hat eigentlich die Zeit, sich das alles anzuhören? Natürlich mischen auch Hosts aus Münster kräftig mit. Wir stellen mal ein paar vor!

Das Haus Frauenstraße 24 hat eine besondere Geschichte. Erbaut wurde es 1905, und 1943 blieb es wie durch ein Wunder von den Bomben verschont. Doch seine spezielle Story begann 1973 - vor 50 Jahren. Damals wurde das Haus mit der schönen Jugendstilfassade durch Besetzung vor dem Abriss gerettet. Die ganze Geschichte erzählen wir hier...

Mafia - bei dem Wort denkt man an die üblichen Klischees aus Hollywood. Daran, dass die Mafia längst bei uns heimisch ist, wird man nur durch Paukenschläge erinnert, wie die Verhaftung des vermutlichen 'Ndrangheta-Oberpaten Francesco A. in Münster. Die Ermittlungen führten zu über 123 Beschuldigten, 41 Verhaftungen sowie der Enttarnung des Mafia-Geheimrates „Crimine di Germania“ in Münster.

Das mit Abstand abgefahrenste Thema des Science-Slam Münster hatte Historiker Sebastian Huncke auf Lager: Die Geschichte des Kokovorismus - oder wie Uropa die erste Hippie-WG erfand. Er untersuchte in seiner Examensarbeit die Kokosnuss-Religion des Aussteigers August Engelhardt von 1902 (!) - inkl. FKK und freier Liebe.

The Courettes

Retrofuzzgaragepoppunk: Das brasilianisch-dänische Duo The Courettes produziert eine krachigen Wall-of-Sound, als hätte Phil Spectors smarte Sixties-Girlgroup The Ronettes mit den Straßenpunks von den Ramones in der Echokammer eines Vintage-Analogstudios ein wildes Party-Date. Auf ihrem dritten Studioalbum „Back in Mono!“ kloppen sie vierzehn Teenage-Punkdramen als knackige Drei-Minuten-Songs voller Fuzz-Gitarren, Boller-Drums, Trash-Pianos und Jingle Bells raus. Im Konzert werden alle Tracks von „Back in Mono!“ in der Album-Reihenfolge performed, danach folgen brandneue, noch unveröffentlichte Songs.

Als Support angeheuert wurden The Naggs (mit Boonaraas-Members!) aus Düsseldorf mit garagigem Powerpop und Bubblegum-Trash. Passt doch!

Fr. 8.3., Gleis 22, 20.30 Uhr

Messer & Station 17

Heimspiel für Münsters Post-Punker Messer um Frontmann Hendrik Otremba! Ihr fünftes Album „Kratermusik“ löst sich von bisher bemühten Vorbildern (tschüss, Fehlfarben!), experimentiert auch schon mal mit Dub und Funk, bleibt aber immer im düsteren Noise-Sound verwurzelt. Derweil lässt Otremba diejenigen im Publikum jubilieren, die mit platten Parolen nichts anzufangen wissen und Sprache als Entdeckung neuer Welten begreifen. Außer-Haus-Pflichttermin für Lyrikkurse sozusagen (Zwinker-Smiley). Schon allein deshalb sollte man sich mit dem Ticketkauf sputen, bevor klassenweise Tickets geordert werden. Und natürlich auch wegen der Vorband Station 17, die zu den Gleis-Lieblingsbands gehört.

Sa. 9.3., Gleis 22, 20.00 Uhr

Bulli-Abenteuer Island

Wegen der einzigartigen Vulkane, Seen und Wasserfälle ist Island bei Touris äußerst beliebt. Profi-Fotograf Peter Gebhard, der die Insel aus Feuer und Eis seit 30 Jahren bereist, hat sie bei einer Tour mit seinem 44 PS starken T1-Bulli „Erwin“ noch einmal ganz neu entdeckt. Gezeigt werden grandiose Foto- und Videoaufnahmen von Landschaften aus Gletschern und Geysiren, Wüsten und Vulkanen. Flankiert wird die ins Bild gesetzte Reise von kuriosen Geschichten über Begegnungen mit sehr speziellen Nachfahren der Wikinger. So lernte der Abenteurer und Fotokünstler nicht nur einen Experten für die von Nicht-Isländern wegen ihres betäubenden Gestanks gefürchtete Spezialität „Gammelhai“ kennen, sondern musste auch noch seine Trinkfestigkeit beim rituellen Brenivin-Schnapsgelage beweisen. Und auch für Spannung ist gesorgt, wenn Gebhard erzählt, wie fernab jeder Zivilisation im abgelegenen Hochland auf einmal der Gaszug von „Erwin“ reißt...

Mi. 13.3., Friedenskapelle, 18.00 Uhr

Madsen

Deutschrocker Sebastian Madsen nimmt seine Musik sehr ernst, sich selbst aber nicht so wichtig. Sagt er jedenfalls. Im aktuellen Opus „Hollywood“ seiner Band Madsen gibt sich der 42-jährige eher melancholisch, als rebellisch. Songs über Fremdenhass, Randale-Jungs und eine Hochzeit mit Ringen aus Marzipan: Das auf dem bandeigenen Label „Goodbye Logik“ erschienene Album wartet mit ausgefeilten Arrangements auf, ist mehr Indiepop als Rock und setzt auf stadionkompatible Mitsing-Refrains. In Hymnen wie „Ein bisschen Lärm“ packt der Sänger und Gitarrist aus dem Wendland viel Herzblut - emotional, empathisch und manchmal auch schön krachig. Wie in den seligen alten Zeiten, als Madsen noch als die rockigere Variante von Tomte gefeiert wurden...

Do. 21.3., Skaters Palace, 20.00 Uhr

Conway the Machine

Drogen, Kriminalität und Tod, das Aufwachsen in den Elendsquartieren von Buffalo, dann Knast, Koks und Knarren, halbseitige Gesichtslähmung nach einer Schießerei: Nein, Demond Price, genannt Conway the Machine, hatte es nicht leicht im Leben. Also rappt er düster und doomig über grimmige Boom-Bap-Beats und gibt schon mal vorsorglich Anordnungen, wie seine Beerdigung auszusehen habe: „God don’t make mistakes“. Seine Nahtoderfahrung verarbeitet er in diversen Tracks meist aus der Ich-Perspektive, außerdem finden persönliche Dramen wie der Tod seines Cousins Machine Gun Black ihren Platz. Kollabos mit Mobb Deep, Busta Rhymes, Royce da 5’9“ oder Raekwon folgen, sein neues Album „Won’t he do it“ bietet schnörkellos klassischen Hip Hop mit Beats u.a. von den Grammy-Preisträgern J.u.s.t.i.c.e. League.

Do. 28.3., Skaters Palace Café, 20.00 Uhr

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