DANIEL CRAIG

»Ein unmoralischer Mann«

Daniel Craig über James Bond, mutige Menschen und »Ein Quantum Trost«

Mr. Craig, bevor »Casino Royale« in die Kinos kam, mussten Sie sehr viel mediale Häme über sich ergehen lassen. Danach wurden Sie als bester Bond aller Zeiten gefeiert. War das eine Genugtuung?

Darüber denke ich eigentlich wenig nach. Natürlich ist es ein schönes Kompliment, wenn Leute so etwas sagen oder schreiben. Aber nach mir wird bestimmt ein Bond kommen, der es noch besser macht.

Vertritt der neue Bond auch ein neues Männerideal?

Bonds Männlichkeit ist sehr vielschichtig. Er ist ein äußerst unmoralischer Mann. Er verdient sein Lebensunterhalt damit, dass er Menschen umbringt. Alles, was man an ihm als Mann gut finden kann, könnte man auch negativ auslegen. Ich habe nie bewusst versucht aus ihm einen besonders maskulinen Typ zu machen. Die mutigen Menschen, die ich kenne, sind keine großen starken Kerle, und viele von ihnen sind Frauen.

Wächst der neue Bond an den starken Frauenfiguren, die ihn umgeben?

Es ist immer interessanter, wenn man eine kraftvolle Hauptfigur mit starken Charakteren konfrontiert. Das gilt nicht nur für die Frauen, sondern auch für die anderen Figuren im Film.

Wird Bond demnächst auch wieder zu seinem Humor zurückfinden?

Ich finde ja, dass Bond auch in diesem Film seine komischen Momente hat. Aber wir haben ihm eben keine Gags ins Skript geschrieben. Meinetwegen kann ich im nächsten Film die ersten vierzig Minuten mit einem Cocktail am Strand liegen und einen Witz nach dem anderen reißen. Aber hier ging es um eine klare Geschichte. Wenn man die typischen Bond-Sätze ins Drehbuch schreibt, nur um sie abzuhaken, dann klingt das schnell abgeschmackt.

Ihr Bild hängt zur Zeit an jeder Bushaltestelle. Fühlen Sie sich manchmal von sich selbst verfolgt?

Ich gehe in dieser Zeit nicht vor die Tür.

Interview: Martin Schwickert