ZATHURA

Ein Haus im Weltall
Gefährliche Brettspiele II: das inoffizielle Sequel zu »Jumanji« glänzt durch Science Fiction im Nostalgie-Look

Die Idee, dass ein altes, verstaubtes Brettspiel ein Portal zu einer anderen Welt öffnen könnte, hat ihren Reiz besonders, wenn man bedenkt, dass die meisten verstaubten Brettspiele aus gutem Grund ungenutzt geblieben sind.
Das mag sich zumindest Kinderbuchautor Chris Van Allsburg gedacht haben, als er in Jumanji einen ganzen Zoo von wilden Tieren durch das Wohnzimmer einer amerikanischen Familie jagte, von einem nicht weniger animalischen Robin Williams ganz zu schweigen.
Zathura, die Kinoadaption eines weiteren Brettspielbuchs aus Van Allsburgs Feder, dreht den Spieß nun um: statt seltsame Wesen in ihre heile Vorstadtwelt zu holen, transportieren die beiden Brüder Walter und Danny ihr kleines Häuschen beim Spielen des vermeintlich langweiligen Spiels ins Weltall. Dort angekommen, müssen sie Asteroiden ausweichen, Killerroboter umprogrammieren und bösen, echsenartigen Aliens entkommen.
Jon Favreau, der die Schauspielerei (Swingers) inzwischen zugunsten des Regiejobs (Buddy - Der Weihnachtself) an den Nagel gehängt hat, inszeniert das unfreiwillige Weltraumabenteuer seiner Protagonisten stilistisch als Hommage an die Science-Fiction-Filme der 50er und 60er Jahre. Roboter sehen hier noch so aus, als hätte man sie aus Metall gegossen, Asteroiden haben den richtigen Touch von glühender Pappmachee, und die Aliens sind gerade jenseits von dem Punkt, an dem man den Reißverschluss im Gummikostüm sucht - gut gemachte und interessant designte Effekthascherei, die in Anbetracht der inzwischen zum Standard gehörenden sterilen CGI-Monster nostalgische Gefühle aufkommen lässt.
Was der Film leider nicht vollbracht hat, ist einen verbindenden roten Faden zwischen den Mini-Abenteuern zu ziehen. Es hätte Zathura gutgetan, eine Robin-Williams-Figur zu besitzen: die beiden Kids und die zwei eher leblosen Nebencharaktere (eine Schwester im Teenageralter und ein junger Astronaut) sind zu uninteressant, um von der episodenhaften Struktur des Films abzulenken.

Karsten Kastelan
USA 2005 R: Jon Favreau. B: David Koepp, John Kamps. K: Guillermo Navarro. D: Josh Hutcherson, Jonah Bobo, Dax Shepard, Kristen Stewart, Tim Robbins