HELLBOY


Das Dunkle und das Blöde

Jetzt gibt's den Hulk in rot und lustig

Als neulich Van Helsing im okkulten Digital-FX-Donnerwetter unterging, wollten wir schon das Übernatürliche komplett als obsolet erklären. Aber dann kam der Frauenfilm Spiderman 2 und gleich danach diese Ausgeburt der Hölle, die Tounge-in-Cheek und Coolness post-post-modern zusammenbringt. Von nun an ist wieder alles möglich.
Es beginnt am Ende des 2. Weltkriegs. Die Nazis, hollywoodeske Schiessbudenfiguren, beschwören in Schottland irgendwelche teuflischen Mächte für den Endsieg, aber ein amerikanisches Kommando interveniert, eher aus Versehen. Krawumm. Dann päppeln sie unerklärt eine Kind-Kreatur von drüben mit Schokoriegeln auf, und allerlei unerzählte Vorgeschichte la X-Men gibt es auch noch.
Heute: der Teufel (Ron Perlman) im Asyl ist erwachsen geworden, benimmt sich rüpelig, raucht, frisst Fast Food, barmt hinter einem ebenfalls unerklärten Romantic Interest her (Selma Blair) und bestreitet den Endkampf gegen einen unsterblichem Magier Rasputin und dunkle Oktopoden aus dem Weltraum auf das knorrigste.
Das war eine hierzulande recht unbekannte Comic-Serie von Mike Mignola, das wäre im Kino bloß albern geworden, wenn nicht der Regisseur Gulliermo Del Toro (Cronos, Mimic, Blade 2) das Dunkle und das Blöde mit leichter und mit herzumkrallender Hand zugleich inszeniert hätte. Jede Wendung kommt aus dem Baukasten (die deutsche C3PO-Stimme einer Nebenfigur unterstreicht das noch), aber überraschenderweise helfen die Scherze der Figuren bei der Vertiefung ihrer Charaktere.
Der Plot hat gigantische Löcher, aber die Figuren reissen alles raus. Vor allem Ron Perlman, der den deplazierten Freak mit Charme gibt, und damit jede schlecht gezeichnete Nebenfigur im Vorbeigehen entzündet. In Hellboy kommen "Beauty and the Beast"-Romantik (Perlman war in der 80er TV-Serie das Biest) und Howard-Lovecraft-Jenseits-Horror wunderlich zusammen. Und es bleibt, hinter allem Popcorn, noch genug Größe übrig. Am Ende kriegt das Biest seine Beauty, weil er dem wahrhaft Bösen andernfalls metaphysische Prügel androht. So clever konnte King Kong damals nicht sein.

WING
USA 2004, R/B: Guillermo Del Toro, K: Guillermo Navarro, D: Ron Perlman, Selma Blair, John Hurt, Rupert Evans