CONAMARA

Liebe woanders

Eine Dreiecksbeziehung in Irland

Wenn Deutsche vom einfachen Leben träumen, fahren sie gerne nach Irland. Die sanfte baumlose Landschaft ist übersichtlich, das Bier ist stark und schmackhaft, und die Menschen sind selbst germanischen Fremdlingen gegenüber aufgeschlossen. Axel aus Berlin (Andreas Schmidt) hat Nägel mit Köpfen gemacht. Mit Sack und Pack und Tenorhorn steht er eines Tages vor Marias Tür im malerischen Conamara. Job und Familie hat er hinter sich gelassen, nachdem seine Frau zu Nachbar Paschke übergelaufen ist. Jetzt will er von vorn anfangen. Am liebsten mit Maria (Ellen Ten Damme), mit der er vor zwölf Jahren in Amsterdam eine Affäre hatte. Aber Maria ist inzwischen mit dem Iren Antaine (Darragh Kelly) verheiratet, und eine zehnjährige Tochter hat sie auch. Ganz und gar nicht begeistert sieht sie aus, als der gutherzige Antaine den Aussteiger hineinbittet und Onkel Tom (Martin Jamsie) großzügig sein verrottetes Haus als Bleibe anbietet.
Ungeachtet der emotionalen Unpässlichkeiten geht Axel voller Tatendrang an die Renovierung und erwirbt ein ausrangiertes Amphibienfahrzeug, mit dem er durstige Touristen über Wasser und Land von einem Pub zum nächsten kutschieren will. Antaine und Maria steigen in das Tranportunternehmen ein, und beim Planen und Pinseln geraten die Anziehungkräfte außer Kontrolle. Axels schlacksiger Charme und seine neugewonnene Spontaneität bleiben nicht ohne Eindruck auf Maria.
Mit ungewöhnlicher Genauigkeit studiert Regisseur Eoin Moore seine irische menage trois. Wie in seinem letzten Film plusminusnull , einer Alltagskomödie im Berliner Bauarbeiter- und Prostituiertenmilieu, hat der Berliner Ire Moore auch in Conamara ohne festes Drehbuch gearbeitet. Die Dialoge werden weitgehend von den Schauspielern improvisiert, die Handkamera lässt sich von ihren Aktionen und Reaktionen leiten.
Beziehungsdramen leiden oft unter der gekünstelten Sprache der Drehbuchseminaristen. Conamara hingegen ist nahe dran an den unspektakulären Nuancen von Liebeslust und Liebesleid, und der Kontrast zur idyllischen irischen Westküstenlandschaft entwickelt dabei zusätzliche Reize. Eoin Moore gerät in Conamara jedoch auch an die Grenzen seiner Methode. Wenn er versucht, die Geschichte zu dramatisieren, verliert der Film durch aufgesetzte Tragik seine Glaubwürdigkeit.

Martin Schwickert

Conamara D/IRL 2000 R: Eoin Moore D: Ellen Ten Damme, Darragh Kelly, Andreas Schmidt, 105 Min.