B-52

Im Innern der Bestie

Ein Film über das mächtigste Flugzeug der Welt

Das Ding ist ein Monster: über 50 Meter breit, 46 Meter lang, 14 Meter hoch. Ausgedacht haben sich das ein paar Kerle in einem Hotelzimmer, 47, übers Wochenende. "Der Kalte Krieg war schon da", sagt Filmemacher Bitomksy aus dem Off, "es fehlte nur noch die passende Waffe". Und: "Heute ist der Kalte Krieg vorbei, aber seine Waffen sind immer noch da."

Erstmals zur Wirkung kamen die fliegenden Festungen im Vietnam-Krieg, zur Bombardierung von "entmilitarisierten Zonen" (also der Zivilbevölkerung) oder der Vietcong-Hauptstadt Hanoi (also der Zivilbevölkerung). Bitomsky hat Piloten von damals vor die Kamera geholt, die genau vorrechenen können, wie hoch ihr persönlicher Anteil an Bomben auf Vietnam war. Na ja, sagt einer, pro Flug waren das 22 Tonnen, gut 100 Einsätze bin ich geflogen ... der Satz "Soldaten sind Mörder" verliert hier seinen emotionalen Gehalt: Mörder sind Handwerker, sie kennen jedes Schräubchen und Lämpchen an ihrem Flugzeug, und wenn sie Zeit haben, kritzeln sie sogar lustige Sprüche auf das Flugzeugaluminium; als die B-52 erstmals produziert wurde, nebenbei, war die US-Aluminiumindustrie auf 10 Jahre hinaus komplett ausgelastet.
Bitomsky hat viele Militärs interviewt, die immer noch ganz hin und weg sind von dem Riesenvogel: ursprünglich als taktischer Bomber gedacht, der vor allem die UdSSR bedrohen sollte, war bald ein Einsatz als Tiefflieger möglich. Die B-52 hat eine Reichweite von 14.000 Kilometern, kann in der Luft betankt werden und ist heute mit allem technischen Schnickschnack bestückt, auf den Kriegsspieler so stehen: Infrarot, Radartäuschung, Bord-MGs. Sie kann Atombomben abwerfen, Cruise Missiles abschießen - oder einfach nur Bomben fallenlassen.
Bitomsky, der leicht somnanbul durch seinen eigenen Film geht, interessiert sich weniger für Politik als für Philosophie. Dass der US-Bürger zwischen 40 Sorten Cornflakes wählen kann, liegt auch daran, dass ihn die Bomber beschützen, sagt ein Installationskünstler, der alte Teile aus den Fliegern ausstellt. Kunst und Krieg gehören zusammen, sagt der Künstler noch. Bitomsky ist beeindruckt und läßt sich ein Original Piloten-Urinal vorführen. Irgendwie ist Bitomsky im Laufe der Dreharbeiten der Gigantomanie, die sich hinter dem Flieger verbirgt, erlegen. Aus dem Schrecken wird Faszination. Man sieht am Ende eine B-52 aufsteigen. Bitomsky betont aus dem Off, wie schmucklos dieses Stück Technik allein auf seinen Zweck hin gebaut worden sei - als ob Pasagierflieger Wimpelchen am Fahrwerk hätten.
Das aufgeblähte Ego der USA beruht auch auf einer heute noch knapp 100 Maschinen großen Flotte dieser Bomber. Das kann einen schon beunruhigen, sagt Bitomsky. Etwas mehr hätte einem nach 109 Filmminuten schon einfallen können.

Thomas Friedrich

D 2001. B&R: Hartmut Bitomsky. K: Volker Langhoff.