HUMOR

Quatsch mit Sosse

Deutsches Spassmacher viel lustig: gar nicht komische CDs

Der Wahnsinn verfolgt einen ja schon lange bis hinter die Haustür. Wo früher halbgare Komiker, unbegabte Abschlußteilnehmer eines Clown-Seminars oder einfach nur dröge Kabarettisten wenigsten nur das Publikum anöden durfte, das an der Abendkasse dafür bezahlt hatte, sind die Kösters, Krügers, Capitonis, Hoffmanns und Mittermeiers heute in jedem TV-Programm zu - ja was? bestaunen? Wo früher die Figur eines "Elektro-Man" bestenfalls als lauwarmer Partygag getaugt hätte, darf ihr Erfinder Roberto Capitoni damit sogar als Vor-Mann von "Tic Tac Toe" auftreten. Wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nie wieder vergessen: Diese Unfähigkeit, eine Pointe zu setzen, diese Kalauerei im tiefsten Keller (die Angestellten der Firma Portas aus Gießen halfen Kolumbus bei seiner Tour nach Amerika, das waren nämlich die - obacht, festhalten: Portugiesen), vorgetragen von einem, der nicht mal richtig stehen kann - wann hat eigentlich der Kindergeburtstag den Sprung auf die Bühne geschafft?
Auch Gaby Köster, deren unvergleichliches Humorverständnis regelmäßig in der RTL-Quasselbude "7 Köpfe" zu bewundern ist, vollbringt auf der Bühne nicht mehr, als einen endlosen Blondinenwitz spazierenzuführen ("Wo ich steh und liege macht man sich über mich lustig"). Daß es immer wieder Leute gibt, die darüber lachen, kann einem Schauder der Angst über den Rücken jagen. Die Leistung von Blödlern wie Gaby Köster und Tom Gerhardt ist es, Prolo-Typen parodistisch vorzuführen und ihnen dabei alles Gefährliche ausgetrieben zu haben. Gerhardts "Boah Ey - sssuper!"-Schrauber und Kösters Blondinen sind nur noch doof. Daß diese Typen aber vielleicht auch die Republikaner stark machen - muß man nicht erzählen, aber es dürfte doch als Dimension durchschimmern.
Hella von Sinnen hat es mal versucht: In ihrem Programm mit dem wunderschönen Titel "Ich bremse auch für Männer" hat sie eine "Tonja Gerhardt" eingeführt, eine weibliche Version der niederen Volksschichten mit aufklärersichen Nebenwirkung: In der Gerhardt'schen Stummelsprache wird da der Amoklauf einer Hausfrau referiert. Aber wie alles, was Hella von Sinnen auf der Bühne macht, versickert alles entweder im rein Privaten ("ich liebe Cornelia Scheel" - ja schon, aber was ist der Witz dabei?) oder im tiefen Tal von Kalau. Dabei hat ihr Programm durchaus kurze Momente der Komik (der fickende Bademeister: "ich will dich naß, ich will die feucht!"), die aber leider von unerhört schwachen Nummern wie Zarah Leanders Kaffeefahrt oder Die Alternativlesbe bei Obi erschlagen werden.
Wahnsinn mit Methode betreibt Michael Mittermeier in seinem Programm "Zapped", das von nix anderem als der Parodie des Fernsehens lebt. Aber statt, wie seine Kollegen, einfach eine Albernheit an die andere zu hängen, gibt's bei Mittermeier ein richtigtes Programm, ein Konzept, und das überzeugt. Vor allem, wenn die Sketche sich im Laufe des Programmes immer mehr aufeinander beziehen, der Wahnsinn sozusagen den Wahnsinn durchdringt, das ist sehr komisch. Daß er mit seinem zeitgeistigen Humorverständnis à la Harald Schmidt ein paar dumme Geschmacklosigkeiten nicht bleiben lassen kann (Kate Moss sieht aus "wie eine aus der Sahel-Zone") ist dabei ebenso störend wie seine Selbstverliebtheit, Vorgänge oral-akustisch zu untermalen; wenn Mittermeier erst einmal "bruuuuummmm" macht, kann er so schnell nicht wieder aufhören.
Daß er in eine Reihe mit solchen Kwatschmachern genannt wird, hat "ZAK"- und "Privatfernsehen"-Moderator Friedrich Küppersbusch selbst zu verantworten. Denn seine CD "Küppersbusch" huldigt ganz dem Zeitgeist beliebiger Blödelei, ist aber, ehrenhalber sei's erwähnt, nicht ganz frei von aufklärerischer Absicht. Zwar nervt Friedrich nach wie vor mit seiner ungebremsten Lust zum Kalauer, andererseits erklärt er auf dieser CD, die ein Live-Mitschnitt seiner Lese-Reisen darstellt, unterbrochen, man mu0ß schon sagen: em,pfindlich gestört durch Orgelauftritte des Klebefingers FranzLambert ... der Satz wird zu lang; nochmal: andererseits erklärt auf dieser CD seinem Publikum derart Ernsthaft seine Arbeit, daß man schon fast geneigt ist, sie für seriös zu halten. Und andererseits: Manche von Küppersbuschs Witzen können sich hören lassen. Etwa den von den "drei großen W im Journalismus: Was soll der Scheiß?, Wen interessiert das? und Wo gibt's Kaffee?".
Was bleibt bei soviel geballtem Unfug? - die Freude an den Altmeistern. Georg Kreisler hat zu Beginn des Jahres, zum ersten Mal seit vielen Jahren, wieder ein paar neue Lieder eingespielt. "Fürchten wir das beste" heißt die in gewohnter Melancholie und Brillanz eingespielte Produktion, für die Kreisler auch ein paar seiner Klassiker mal wieder bearbeitet hat. Wie er aus seinem "Musikkritiker" einen "Politiker" gemacht hat ("...weil ich völlig gefühllos bin..."), so eben mit links, das steckt all die jungen Hüpfer mit ihrem "Wir lachen über die Milka-Kuh"-Humor locker in die Tasche.
Victor Lachner
Roberto Capitoni: Elektro-Man entdeckt Amerika. Live.
Gaby Köster: Die dümmste Praline der Welt. Live.
Michael Mittermeier: Zapped! Ein TV-Junkie knallt durch. Live
Hella von Sinnen: Ich bremse auch für Männer. Live / alle Zampano/BMG
Küppersbusch. Live. Motor Words
Georg Kreisler, Barbara Peters: Fürchten wir das beste. kip records.