FANTASY

Damensattel und Dämonen

Simon R. Green lässt Einhörner Witze erzählen

Der Autor war bisher nur Space Opera-Anhängern ein Begriff für dicke Bücher voller dicker Muskeln und galaktischer Reichsangelegenheiten. Aber vielleicht sind auch die besser als ihr martialischer Ruf? Simon R. Greens erster Fantasy-Roman bei Heyne ist jedenfalls auch ganz anders als die ersten Seiten ahnen lassen. Der zweitgeborene Prinz eines bankrotten Königreichs soll einen Drachen töten und seinen Schatz rauben. Sein Einhorn ist ein Feigling und macht schnippische Kommentare. Der Drache ist ein Seele von Monster und sammelt lieber Schmetterlinge als Gold. Und er würde sich glatt erschlagen lassen, wenn er nur diese nervtötende Prinzessin los wäre, die ihm den Haushalt führt. Stattdessen tun sich alle vier zusammen, und fast wäre es ein Disney-Film la Dragonheart.
Aber es wird schnell dunkler: ein Dämonenprinz rollt die Welt auf, Hof-Intrigen zerrütten so manchen Charakter, in einem Bergwerk trifft der Held auf das abgrundtief Böse und später auf einen versoffenen Zauberer, der die letzte Rettung sein soll.
Ständig wechselt Green seine Tonlagen zwischen Herrn der Ringe und Brautprinzessin, was gerade noch ein Bastel-Vergnügen mit Genre-Versatz-Stücken war, möchte man plötzlich nicht mal sich selber zum Einschlafen vorlesen - und wo eben hohe menschliche Werte wie Freier Wille, Verantwortung und Freundschaft verhandelt wurden, macht gleich darauf das Personal perfekt gebaute Beiseite-Gags.
Da steht zum Beispiel die Prinzessin mit einem Zwangs-Gemahl vor den Hochzeitsgewändern: Ein schnieker schwarzer Leder-Anzug mit prächtigem Degen - und ein Traum in weißem Tüll. "Schade" sagt sie zu ihrem aus Staatsräson Verlobten "Weiß steht dir doch gar nicht." Dann kommen noch 500 Seiten, und wo sie nicht vergnüglich sind, sind sie mindestens spannend.
WING
Simon R. Green: Das Regenbogenschwert Übersetzt von Birgit Reß-Bohusch. Henye, München 2002 Nr. 9215, 654 S., 9.95 Eu, ISBN: 345321384X