MUSIK HILFT

Fett und Vierzig

Frank Goosen gründet in »So viel Zeit« eine Altherrenband

Vor ein paar Jahren wurde Goosen mit der Verfilmung seines Romans "Liegen Lernen" auch in Kreisen berühmt, die keine Bücher lesen. Er hatte da schon einen Ruhrgebiets-Literaturpreis errungen und eine erste Karriere als Vorleser witziger Geschichten mit dem Duo Tresenlesen hinter sich. Mehrere Romane folgten, die immer unwitziger wurden und immer viel von Musik erzählten. Jetzt ist in So viel Zeit das Personal so alt wie der Autor, Anfang 40, und beschließt, zum 25. Jahrestreffen der Abiturklasse eine Rockband zu gründen, die erste im Leben. Das ist als Idee hinreichend absurd. Es paßt auch zum melancholischen Grundzug, dass man mindestens Rainbow, wenn nicht gar Deep Purple werden will. Und vor allem zu fünft ("Mit vieren ist man bloß Beatles").
Also müssen die Durchschnittskerle erstmal die Nummer fünf auftreiben, den wilden Mann ihrer Schulzeit, der irgenwo in Berlin verschollen ist. Auf der Suche nach ihm arbeiten sich die Vier durch viele Erinnerungen und wachsen an verständnislosen Ehefrauen fast zu richtigen Persönlichkeiten. Schließlich spielt die Band ihren Gig, ziemlich schlecht, aber voller trauriger Energie. Dann geht das Leben weiter, vielleicht ein bisschen besser.
Mit der eigentlich zu 40-jährigen passenden Nostalgie-Musik ("Europe") hätte das wohl nicht funktioniert. Schon richtig also, dass Frank Goosen musikalisch eine Generation daneben greift ("Das war die Musik meines großen Bruders"). Deep Purples "Child in Time" ist das meistzitierte Stück im Buch. Was sonst noch vorkommt, hat der Autor als Soundtrack-Liste bei iTunes hinterlegt. Und Goosen ist gerade auf Lese-Tournee. Da kann man ihn dann mal fragen, wieso er etwa "Stormbringer" auf das falsche Album verlegt. So ruiniert Goosen glatt seinen Ruf als deutscher Nick Hornby.
WING
Frank Goosen: So viel Zeit. Eichborn, Frankfurt 2007, 352 S., 19,95