MUSIK

Schluß mit lustig

Friedhelm Rathjen berichtet vom Anfang des Endes der Beatles

Man muss schon wissen wollen, wie es damals war, als die Beatles ihren letzten Live-Auftritt vorbereiteten. Wem "Let it be" oder überhaupt das Ende einer längst untergegangenen Ära eher egal ist, der wird von Friedhelm Rathjen auch nicht mit kulturwissenschaftlichen Relevanz-Gesten ins Buch gelockt. Das fängt einfach am 10. Januar 1969 an. Damals hatten sich die Beatles gerade zum ersten Mal im Streit getrennt. George Harrison lief wütend aus dem Probenstudio, John Lennon schlug vor, Eric Clapton oder Jimi Hendrix als Ersatz zu engagieren, aber dann kam doch alles ganz anders.

Friedhelm Rathjen, Bücherlesern sonst eher als Arno Schmidt-Kenner geläufig, hat sich der Mühe unterzogen, alle Tonbänder und Filmmitschnitte anzusehen, die von den legendären "Get Back"-Sessions übrig geblieben sind. Anfang 1969 versuchten die vier Beatles, unterstützt von Billy Preston an den Keyboards, wieder zu ihren Wurzeln zurück zu finden. Übrig geblieben ist davon ein Album und ein Dokumentarfilm, der Lennon als wilden, kreativen Kopf und McCartney als Schnulzen-Mainstreamer darstellt.

Dabei war doch John eher der Ausgebrannte und Paul der Purismus-Vertreter, wie Rathjen im Selbstversuch herausfand. Akribisch notierte er, was während der 21 Tage langen "Get Back"-Sessions passierte, wie sich die Beatles zankten und vertrugen, wie Yoko Ono mal still dabei saß und mal aufgekratzt mitspielte. Vor allem aber, wie sich das Rückkehr-Konzept zu einem Abgesang wandelte.

Wegen Lennon wurde statt "Get Back" schließlich "Let it be" als Albumtitel gewählt, was Rathjen perfide findet. Denn so konnte John später behaupten, Paul habe sich durchgesetzt und überhaupt zu sehr den Boss gegeben. Wegen Lennon sah es im Film so aus, als wäre Paul im Weg, und wegen Rathjen wissen wir jetzt, dass ausgerechnet Paul damals darauf bestand, dass der Dokumentarfilmer Michael Lindsay Hogg besonders viele Bilder von John und Yoko machte.

Das muss man alles gar nicht wissen wollen. Trotzdem entsteht ein eigenartiger Zauber aus diesem weitgehend zurückhaltenden Session-Protokoll. Fünf kreative junge Leute, mit gelegentlichen Einwürfen von Yoko Ono, basteln ein paar Wochen lang an ein paar Dutzend Songs. Das hat was, auch wenn man nichts hört.

Wing
Friedhelm Rathjen: Von GET BACK zu LET IT BE. Der Anfang vom Ende der Beatles. Rogner & Bernhard, Berlin 2009, 336 S., 19,90